'Abrissarbeiten hoch über der Stör' - shz.de vom 02.12.2011

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Bau der A 23

Abrissarbeiten hoch über der Stör

02. Dezember 2011 | 04:50 Uhr | Von Lars Peter Ehrich

Alte Brücke im Zuge der Autobahn 23 verschwindet - sie macht Platz für den zweiten Brücken-Neubau

Itzehoe. Noch wenige Schritte, dann geht es 20 Meter in die Tiefe. Dort fließt die Stör, auf ihr schwimmt ein Ponton, der die Trümmer auffängt: Der Abriss der alten Störbrücke hat nun auch sichtbar begonnen. Seit gestern klafft das erste Loch in dem gut 40 Jahre alten Bauwerk.

Vor drei Wochen hatte Verkehrsminister Jost de Jager den offiziellen Startschuss für die nächste Etappe des Projekts gegeben, mit dem bis zum Sommer 2015 die Lücke in der Autobahn 23 geschlossen wird. Die Vorbereitungen für den Abbruch der Brücke liefen seit Oktober mit dem "Leichtern" der Strombrücke über der Stör: Asphalt wurde abgefräst, Planken, Geländer und die Kappen, die die Geländer tragen, wurden entfernt. Dasselbe widerfuhr den "Krag armen", den Verbreiterungen der Fahrbahnplatte nach links und rechts. Auch Hilfsstützen wurden errichtet.

Denn die Statik spielt eine entscheidende Rolle bei dem Vorhaben. Die Brücke wird in umgekehrter Reihenfolge des Baus abgerissen, deshalb lag der Startpunkt in der Mitte über der Stör. Dort wurde das Bauwerk mit einer Seilsäge durchtrennt, und dies dauerte von Ende vergangener Woche bis Mittwoch abend. "Das muss kontrolliert und sukzessive erfolgen", erläutert Kai-Uwe Schacht, Leiter der Itzehoer Niederlassung des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr (LBV). Aus statischer Sicht sei dieser Schritt anspruchsvoll, Stahlbeton dürfe nicht schlagartig durchtrennt werden. Teils seien die Teile doch auseinander geschnellt, schildert Matthias Meyer, Ingenieur beim LBV. Die Erschütterung in der Brücke sei deutlich zu spüren gewesen.

Jeder Schritt wurde von einem Statiker der beauftragten Firma und einem Prüfstatiker des LBV begleitet. Sie beobachteten, ob die vorausberechneten Zustände auch eintraten. Denn je mehr die Brücke durchtrennt werde, desto mehr biege sie sich durch, so Schacht. Am Ende machte sie sich mit einer Verformung von 15 Zentimetern besser als erwartet.

Noch in der Nacht zu gestern begann der eigentliche Abbruch. Ein Bagger steht sechs Meter entfernt von der Kante und "knabbert" das Loch nach und nach in Vier-Meter-Abschnitten größer, der Schutt fällt in eine Schute auf der Stör. Wenn ein bestimmter Punkt erreicht ist, wird das Gelenk entfernt, das die Strom- mit der Vorlandbrücke verbindet. Dann gehen die Arbeiten so weiter, dass das verbliebene Teil immer im Gleichgewicht ist, danach ist die andere Seite der Strombrücke an der Reihe. Teilweise ist die Stör dafür gesperrt.

Anschließend werden die Vorlandbrücken-Nord und -Süd abgerissen. Insgesamt geht es um 46 000 Tonnen Beton oder rund 1900 Lkw-Ladungen. Dazu gehören auch die Pfeiler, die bis in eine Tiefe von etwa 2,50 Metern entfernt werden. Die Tiefgründung bleibt, kann aber für die neue Brücke nicht wieder verwendet werden: Die Last ist höher, die Stützweite passt nicht.

Im kommenden Juli soll die Stör brücke verschwunden sein. Parallel zum Abriss soll der Neubau auf der Nordseite bereits im Frühjahr beginnen.

2.12.11 17:47

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